Informationsdienst Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Universitaetsklinikum Heidelberg, 19.02.2003

Warum Stress krank machen kann

Erstmals gelingt Heidelberger Wissenschaftlern der Nachweis molekularer
Veraenderungen durch psychische Belastung beim Menschen


Psychosozialer Stress macht auf die Dauer krank. Diese Alltagsbeobachtung ist durch mehrere Studien wissenschaftlich belegt: Wer am Arbeitsplatz unter Druck steht, kaum sozialen Rueckhalt hat und dem Leben wenig positive Seiten abgewinnen kann, hat ein hoeheres Risiko fuer arteriosklerotische Gefaessschaeden und damit fuer Herzinfarkt und
Schlaganfall. Doch wie schlagen sich diese psychischen Faktoren konkret in den Koerperzellen nieder?

Wissenschaftlern des Universitaetsklinikums Heidelberg ist es erstmals gelungen, molekulare Veraenderungen an Koerperzellen, die durch Stress ausgeloest wurden, beim Menschen nachzuweisen. Das Forscherteam von Prof. Dr. Peter Nawroth, Aerztlicher Direktor der Abteilung fuer Endokrinologie und Stoffwechsel an der Medizinischen Universitaetsklinik
Heidelberg, hat festgestellt, dass Menschen in einer Stress-Situation ein bestimmtes Protein in ihren Koerperzellen aktivieren, das Entzuendungen und Abbauprozesse ausloest und in Gang haelt.

Schluesselmolekuel der Stressreaktion ist der Transkriptionsfaktor NF-kappaB, der eine wichtige Rolle bei chronischen Erkrankungen und beim Altern spielt. Denn er wird nicht nur durch Stresshormone wie Adrenalin oder Noradrenalin aktiviert, sondern auch durch Verletzungen der Zelloberflaeche oder molekulare Veraenderungen bei der Zuckerkrankheit.
Ihre Ergebnisse veroeffentlichten die Wissenschaftler in der juengsten Ausgabe der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Testpersonen mussten frei vortragen und Rechenaufgaben loesen

Wie lassen sich Stressreaktionen nachweisen? An der Studie, die gemeinsam mit Psychologen der Universitaet Duesseldorf durchgefuehrt wurde, nahmen insgesamt 19 Testpersonen, acht Maenner und elf Frauen, unter 30 Jahren teil. Sie unterzogen sich dem "Trier Social Stress Test". Dessen wesentliche Bestandteile sind ein freier Vortrag und das
Loesen von Mathematikaufgaben vor Zuhoerern. Vor und nach dem stressreichen Test wurde jeweils Blut entnommen: Bei 17 der 19 Testpersonen war NF-kappaB in bestimmten Blutzellen (Monozyten) gestiegen, begleitet von erhoehten Stresshormon-Spiegeln im Blut, die
von den Nebennieren ausgeschuettet werden.

"In Untersuchungen an sogenannten transgenen Maeusen haben wir aehnliche Reaktionen auf Stress beobachtet", berichtet Dr. Angelika Bierhaus, Wissenschaftlerin am Universitaetsklinikum Heidelberg. Diese Maeuse haben die genetische Anlage fuer ein bestimmtes Protein (Beta-Globin), dessen Produktion ausschliesslich von NF-kappaB reguliert wird. Koennen sie sich nicht mehr bewegen und stehen deshalb unter erheblichem Stress,
dann wird die Produktion des Beta-Globins gesteigert. Dasselbe passiert, wenn ihnen das Stresshormon Noradrenalin verabreicht wird.

Psychosoziale Situation ist so wichtig wie Labormesswerte

Fuer die Heidelberger Wissenschaftler ist dies der Einstieg in eine neue Aera der Stressforschung. "Dass erhoehte Konzentration von Adrenalin oder Noradrenalin im Blut langfristig Schaeden an Blutgefaessen verursachen koennen, ist schon lange bekannt. Wir konnten jetzt erstmals die komplette Kettenreaktion von der psychischen Belastung ueber die
Ausschuettung von Hormonen bis zu molekularen Veraenderungen im Zellkern aufzeigen", erklaert Prof. Nawroth. Wegweisende Informationen erhofft sich der Stoffwechselspezialist nun von einer mehrjaehrigen klinischen Studie an Diabetespatienten. Denn diese stehen, aufgrund ihres entgleisten Zuckerstoffwechsels, andauernd unter Stress.

Doch bereits jetzt fliessen die Studienergebnisse in die Patientenbetreuung der Heidelberger Klinik ein. "Wir beurteilen den Gesundheitszustand unserer Patienten nicht nur anhand chemischer Messwerte wie Blutzucker- oder Cholesterinspiegel", erklaert Prof. Nawroth. Auch die psychosoziale Situation findet Eingang in unsere Behandlungsstrategien, denn sie hat, wie die Stress-Studien gezeigt haben, wesentlichen Anteil am Fortschreiten der Krankheit.

Literatur:
Angelika Bierhaus, Peter Nawroth et al., A mechanism converting
psychosocial stress into mononuclear cell activation, Proceedings of the
National Academy of Sciences, 18. Februar 2003, Band 100, Nr. 4, S. 1920
- 1925.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Nawroth
Medizinische Universitaetsklinik und Poliklinik
Aerztlicher Direktor Abteilung Innere Medizin I
Schwerpunkt Endokrinologie und Stoffwechsel
Bergheimer Str. 58, 69115 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56-8601, E-Mail: Peter_Nawroth@med.uni-heidelberg.de




Ansprechpartner:
Dr. Annette Tuffs

Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit
des Universitaetsklinikums
Vossstrasse 2, 69115 Heidelberg
Tel.:    06221 / 56-4536
Fax:    06221 / 56-4544
e-mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de


 

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