Ärzte Zeitung, 13.11.2003

Arzt leistete Sterbehilfe - nun wird er des Mordes angeklagt

Patient hatte mehrfach versucht, Suizid zu begehen

NEU-ISENBURG (Smi). Ein französischer Arzt, der bei einem behinderten Koma-Patienten Sterbehilfe geleistet hat, könnte jetzt des vorsätzlichen Mordes angeklagt werden, wie das "British Medical Journal" (327, 2003, 1068) berichtet.

Frédéric Chaussoy, Leiter der Intensivabteilung im Krankenhaus Berck-sur-Mer in Pas-de-Calais, hatte Ende September bei dem 22jährigen Vincent Humbert nach Rücksprache mit seinem Team die Beatmungsmaschine abgestellt.

Humbert, ein Feuerwehrmann, war bei einem Verkehrsunfall vor drei Jahren so schwer verletzt worden, daß er fortan weder Arme noch Beine bewegen konnte und zudem blind und taub war.

Mehrfach versuchte er in der Folgezeit, sich das Leben zu nehmen, appellierte sogar an Staatspräsident Jacques Chirac, ihm zu helfen, indem er Humberts möglichen Sterbehelfern Straffreiheit zusichere. Der 22jährige schrieb zudem ein Buch ("Ich bitte um das Recht zu sterben"), das einen Tag vor seinem Tod erschien und bereits ein Bestseller ist.

Auch die 48jährige Marie Humbert soll von der Staatsanwaltschaft befragt werden. Sie hatte ihrem Sohn trotz Strafandrohung beim Suizid helfen wollen. Sie spritzte ihm Barbiturate, doch der junge Mann starb nicht, sondern fiel ins Koma. Ihre Absicht hatte Marie Humbert zuvor im Fernsehen angekündigt.

Chaussoy hat seine Entscheidung inzwischen gerechtfertigt. Er hätte auch Komplikationen vorschützen können. Aber er habe sich bewußt für die Wahrheit entschieden.




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