Ärzte Zeitung, 13.07.2004

Johanniskraut: Ab 300 Milligramm geht’s auf Kassenrezept

Irritationen über den Zulassungsstatus - neu oder fiktiv zugelassen - sind bei dem rezeptfreien Arzneimittel unbegründet

BERLIN (HL). Alle Johanniskraut-Präparate, die mindestens 300 Milligramm Wirkstoff pro Applikationsform enthalten, können von Ärzten auf Kassenrezept verordnet werden. Das haben der Arzneimittelspezialist der KBV Dr. Jürgen Bausch und der Stollberger Arztrechtler Herbert Wartensleben unabhängig voneinander klargestellt.

Der Einsatz von Johanniskraut-Präparaten bei mittelschweren depressiven Episoden auf Kassenrezept gehört zu den Ausnahmeregelungen, die der Bundesausschuß Mitte März getroffen hat und die mit der Veröffentlichung im April wirksam geworden sind. In der Regelung werden rezeptfreie Stoffe aufgelistet, die die Krankenkassen bei definierten Indikationen bezahlen.

Bei etlichen Ärzten ist es in jüngster Zeit offenbar zu Irritationen gekommen, weil geglaubt wurde, es komme auf den Zulassungsstatus an, ob ein Johanneskraut-Präparat auf Kassenrezept verordnet werden darf. Nach dem Arzneimittelgesetz wird unterschieden zwischen neu zugelassenen und fiktiv zugelassenen Arzneimitteln. Zu den fiktiv zugelassenen zählen solche Medikamente, die vor 1978 auf den Markt gekommen sind und noch das Nachzulassungsverfahren beim Bundesinstitut für Arzneimittel durchlaufen.

Diese Unterscheidung nach dem Arzneimittelrecht ist, so Bausch zur "Ärzte Zeitung", für die Verschreibung auf Kassenrezept irrelevant. Entscheidend seien die in der Fachinformation genannte Indikation und die Mindestwirkstärke von 300 Milligramm Extrakt. Mit der Angabe der Diagnose als Begründung für die Verordnung des rezeptfreien Arzneimittels seien alle Voraussetzungen erfüllt, damit die Krankenkassen das Medikament bezahlen.

Nach Auffassung von Wartensleben kommt es auch nicht darauf an, ob ein spezielles Präparat ausdrücklich unter der Indikation "mittelschwere Depression" zugelassen ist. Die Mittel mit der alten Zulassung haben meist Indikationen wie "psychovegetative Störungen, depressive Verstimmungszustände, Angst und/oder nervöse Unruhe". Laut Wartensleben umfaßt der Begriff "depressive Verstimmungszustände" auch die Indikation "mittelschwere Depression" - und dafür bezahlen die Kassen Johanniskraut.




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