Ärzte Zeitung, 13.01.2003

Die erste Zigarette nicht vor dem ersten Kind!

Stark erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Frauen, die vor der ersten Schwangerschaft mit dem Rauchen beginnen

OTTAWA (ikr). Zumindest junge Mädchen, bei denen die erste Menstruationsblutung noch nicht lange zurückliegt, sollten auf das Rauchen verzichten. Der Grund: das erhöhte Brustkrebsrisiko. Vor allem junge Frauen, die bereits wenige Jahre nach der ersten Monatsblutung oder vor dem ersten Kind mit dem Rauchen begonnen haben, sowie kinderlose Frauen, die stark rauchen, haben ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Das hat eine kanadische Studie ergeben.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Pierre R. Band von der University of Ottawa in Kanada hat Frauen mit Brustkrebs und Kontrollpersonen ohne eine solche Erkrankung nach Risikofaktoren für ein Mamma-Ca einschließlich Rauchen befragt (The Lancet 360, 2002, 1044). 318 Frauen mit Brustkrebs und 340 Kontrollpersonen waren in der Prämenopause, 700 Frauen mit Brustkrebs und 685 Kontrollpersonen waren in der Postmenopause.

Nach den Ergebnissen der Studie ist bei Frauen in der Prämenopause, die innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Menarche mit dem Rauchen begonnen haben und noch kein Kind geboren haben, das Brustkrebsrisiko im Vergleich zu Nichtraucherinnen mit diesen Merkmalen um den Faktor 2,6 erhöht. Bei Frauen in der Postmenopause mit diesen Merkmalen ist es hingegen leicht erniedrigt. Besonders hoch, und zwar um den Faktor sieben erhöht ist das Brustkrebs-Risiko bei Frauen in der Prämenopause, die noch kein Kind geboren haben, und mindestens 20 Zigaretten am Tag rauchen. Bei Frauen in der Postmenopause ist das Risiko nur um den Faktor 1,42 erhöht.

Bei jüngeren und vor allem bei älteren Frauen, die erst nach einer vollendeten Schwangerschaft mit dem Rauchen begonnen haben, ist das Brustkrebs-Risiko erniedrigt im Vergleich zu Nichtraucherinnen.

Wie lassen sich die großen Unterschiede im Krebsrisiko bei Raucherinnen erklären? Nach den Ergebnissen von Tierversuchen hängt es sehr vom Differenzierungsgrad des Brustgewebes ab, wie empfindlich es auf Karzinogene reagiert. Am empfindlichsten ist die Brust zu Beginn der Menarche, also einer Zeit, in der die Brust vor allem aus noch nicht ausdifferenzierten Strukturen besteht. Die volle Differenzierung werde erst nach der ersten vollendeten Schwangerschaft erreicht, so die kanadischen Wissenschaftler. Und das sei auch bei Menschen der Fall. Es sei daher zu vermuten, daß auch menschliches Brustgewebe zwischen Menarche und erster vollendeter Schwangerschaft besonders empfindlich auf Karzinogene reagiert.

Und warum ist Rauchen für Frauen in der Prämenopause riskanter als für Frauen in der Postmenopause? Das könnte nach Ansicht der Forscher daran liegen, daß nach der Menopause die Serum-Östrogen-Spiegel abfallen und der antiöstrogene Effekt des Rauchens in dieser Zeit stärker zum Tragen kommt.



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