Informationsdienst Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Universitaetsklinikum Heidelberg, 16.12.2002

Was Kopfschmerz und Depression verbindet

Heidelberger Studie zeigt: Kinder mit chronischen Kopfschmerzen leiden
oft an psychischen Problemen und beduerfen einer besonderen Behandlung


Kinder und Jugendliche, die regelmaessig an Kopfschmerzen leiden, haben haeufiger psychische Stoerungen als ihre beschwerdefreien
Altersgenossen. Etwa ein Drittel zeigt zusaetzlich Verhaltensstoerungen
und emotionale Probleme. Dies hat eine Studie der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitaetsklinikums Heidelberg (Aerztlicher Direktor: Prof. Dr. Franz Resch) gezeigt. Das Team um die
Projektleiterin Dr. Rieke Oelkers-Ax und die Psychologin Ulrike Just
empfiehlt eine zusaetzliche Behandlung der psychiatrischen Symptome, um zu verhindern, dass die Kopfschmerzen chronisch werden. Diese Studie wurde auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes 2002 mit dem 2. Foerderpreis fuer Schmerzforschung in der Kategorie "Klinische Forschung" ausgezeichnet und wird 2003 in der internationalen Fachzeitschrift "Cephalalgia" veroeffentlicht werden.

Chronische Kopfschmerzen gehoeren zu den haeufigsten koerperlichen
Beschwerden im Kindesalter, mit zunehmender Tendenz. Schon im
Kindergarten sind 20 Prozent davon betroffen; bis zum Ende der
Grundschule haben mehr als die Haelfte aller Kinder diese Erfahrung
gemacht. Meist gehoeren diese Kopfschmerzen zur Gruppe der Migraene oder der Spannungskopfschmerzen. Allen gemeinsam ist: Sie sollten fruehzeitig, grundlegend und mit wirksamen Mitteln behandelt werden, um zu verhindern, dass Kopfschmerzen zum chronischen und stets gefuerchteten Begleiter bis ins Erwachsenenalter werden, wie es derzeit bei etwa 60 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen der Fall ist.

Depression und Kopfschmerzen - aehnliche chemische Veraenderungen im Gehirn

Kopfschmerzen koennen ein "Leitsymptom" einer anderen Stoerung im
Koerper oder der Seele sein. Dahinter koennen sich viele Ursachen
verbergen, z.B. Sehfehler, Entzuendungen im Kopfbereich und der Niere,
Sehfehler, Kieferfehlstellungen, aber auch Anspannung und Ueberforderung in Schule und Freizeit. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor sind psychiatrische Erkrankungen, insbesondere Angstzustaende und Depression. "Moeglicherweise handelt es sich bei manchen Kopfschmerzen um eine andere Ausdrucksform einer depressiven Stoerung", erklaert Ulrike Just. Genetische Veranlagung und Umweltfaktoren stoeren die Signaluebertragung in den Gehirnzellen: Sowohl bei Depression als auch bei Migraene und Angsterkrankungen scheint ein Ungleichgewicht der Nervenuebertragungsstoffe Noradrenalin und Serotonin im Gehirn beteiligt zu sein.

Die Heidelberger Wissenschaftler wollten wissen, wie man Kindern und
Jugendlichen mit Kopfschmerzen am besten hilft und wie haeufig darueber hinaus psychische Probleme bestehen. Dafuer untersuchten sie insgesamt 128 Jungen und Maedchen im Alter von 6 bis 18 Jahren, die an Kopfschmerzen ohne erkennbare koerperliche Ursache litten, klinisch und mit psychologischen Tests. Auch die Eltern wurden einbezogen. Etwa ein Drittel zeigten Verhaltensstoerungen und emotionale Probleme, die einer Behandlung bedurften. Fuer den praktischen Arzt und den Kinderarzt duerfte es allerdings schwierig sein, diese Patienten zu identifizieren, da noch kein einfacher psychologischer Test zur Verfuegung steht.

Wie kann Kindern mit chronischen Kopfschmerzen - mit oder ohne
psychischen Problemen - geholfen werden? In einer weiteren Studie
moechten die Heidelberger Wissenschaftler untersuchen, welchen Einfluss Beratungsgespraeche auf den Verlauf der Erkrankung haben. Anhand der Ergebnisse sollen Therapieempfehlungen erarbeitet werden, die sich in der Praxis umsetzen lassen. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich bei der Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen die Zahl der Kopfschmerzattacken nach den Beratungen um mehr als die Haelfte vermindert hat.

Ansprechpartnerin:
Dipl.-Psych. Ulrike Just
Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie
des Universitaetsklinikums Heidelberg
Blumenstr. 8
69115 Heidelberg


Ansprechpartner:
Dr. Annette Tuffs

Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit
des Universitaetsklinikums
Vossstrasse 2, 69115 Heidelberg
Tel.:    06221 / 56-4536
Fax:    06221 / 56-4544
e-mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

 

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