Informationsdienst Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Deutsche Krebshilfe e. V., 22.01.2003

Mini-Kamera spuert Duenndarmtumoren auf


Deutsche Krebshilfe foerdert Studie zur Kapsel-Endoskopie

Bochum (nh) - Es klingt praktisch und elegant: Der Patient schluckt zur
Untersuchung des Duenndarms eine Mini-Kamera und kann anschliessend
wieder nach Hause gehen. Waehrenddessen macht die Video-Kapsel acht
Stunden lang Aufnahmen von seinem Darm. Anschliessend koennen krankhafte
Veraenderungen im Duenndarm als Film sichtbar gemacht werden. Ob die
noch relativ neue Kapsel-Endoskopie, deren Vorteile und Chancen haeufig
hervorgehoben werden, tatsaechlich so sicher und effektiv ist, moechte
die Deutsche Krebshilfe klaeren: Sie foerdert jetzt an der Medizinischen
Universitaetsklinik in Bochum ein Forschungsprojekt, das die Wertigkeit
der Kapsel-Endoskopie im Vergleich zu etablierten Vorsorgeuntersuchungen
bei erblichen Darmkrebserkrankungen untersucht. Die Deutsche Krebshilfe
unterstuetzt die Studie mit rund 249.000 Euro.

Polypen sind die Vorstufen vieler Darmtumoren. Diese zunaechst
gutartigen Gewebevermehrungen der Darmschleimhaut koennen auch im
Bereich des Duenndarms auftreten und zu boesartigen Tumoren ausarten.
"Insbesondere bei Betroffenen mit erblich bedingten Polypen ist eine
Beteiligung des Duenndarms haeufig", erlaeutert Professor Dr. Wolff
Schmiegel, Direktor der Medizinischen Universitaetsklinik,
Knappschaftskrankenhaus Bochum und Leiter des Projektes. Fuer eine
Heilung ist die fruehzeitige Diagnose der Gewebeveraenderungen besonders
wichtig. "Doch Duenndarmkarzinome sind schwer zu entdecken und die
etablierten Methoden weisen erhebliche Nachteile auf", so der Mediziner.
"Sie fuehren entweder zu einer hohen Strahlenbelastung, sind invasiv
oder technisch sehr aufwaendig und in ihrer Aussagekraft begrenzt. Die
Kapsel-Endoskopie eroeffnet neue Moeglichkeiten der Diagnostik und
Ueberwachung des Duenndarms zur Frueherkennung von Tumoren."

Bei der Kapsel-Endoskopie schluckt der Patienten eine erdnussgrosse
Kapsel, die eine Chip-Kamera mit Batterie, einen Sender und eine
Lichtquelle enthaelt. Ueber einen Zeitraum von gut acht Stunden nimmt
die Mini-Kamera Bilder des Duenndarms auf und uebermittelt diese an ein
tragbares Aufnahmegeraet, das der Betroffene an seinem Guertel bei sich
traegt. Die Kapsel wird auf natuerlichem Wege ueber den Darm
ausgeschieden. "Im Gegensatz zur herkoemmlichen Darmspiegelung ist die
Kapsel-Endoskopie ein nicht-invasives Verfahren, was gerade im Bereich
des Duenndarms vorteilhaft ist", erklaert Professor Schmiegel. Die
Untersuchung per Mini-Kamera ist in der Regel ambulant durchfuehrbar.
Die Aufnahmen werden anschliessend in der Klinik als Film durch ein
Computerprogramm sichtbar gemacht.

Bisher gibt es jedoch noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen,
welche die Effektivitaet und die Genauigkeit dieser neuartigen Methode
belegen. Die Studie der Deutschen Krebshilfe soll die Kapsel-Endoskopie
mit den etablierten Methoden, der Duenndarmspiegelung, dem
Duenndarm-Roentgen nach Sellinck und gegebenenfalls weiteren Verfahren
wie der Duenndarm-Kernspintomographie vergleichen. Untersucht wird, wie
aussagekraeftig und komplikationsarm dieses Verfahren ist. An der
dreijaehrigen Studie nehmen pro Jahr etwa 75 Patienten aus den sechs
Zentren des Verbundprojektes "Familiaerer Darmkrebs" der Deutschen
Krebshilfe teil. Dieses Verbundprojekt wurde bereits 1999 von der
Deutschen Krebshilfe initiiert, um Ratsuchende und Betroffene mit
erblichem Darmkrebs zu beraten, zu betreuen und zu versorgen. Die
Standorte der universitaeren Zentren sind Bochum, Bonn, Dresden,
Duesseldorf, Heidelberg und Muenchen/Regensburg.

Info-Kasten: Erblicher Darmkrebs
Jaehrlich erkranken rund 57.000 Menschen in Deutschland neu an
Dickdarmkrebs. Fuenf bis zehn Prozent der Krankheitsfaelle sind erblich
bedingt und umfassen mehrere unterschiedliche Krankheitsbilder. Im
Vordergrund steht HNPCC (erbliches kolorektales Karzinom ohne
Polyposis): Bei dieser Erkrankung ist auch das Risiko fuer Tumoren der
Gebaermutter, des Nieren-beckens, der Harnleiter, des Magens und anderer
Organe erhoeht. Ausserdem stellen die Erkrankungen FAP (Familiaere
Adenomatoese Polyposis) sowie weitere, seltene Erkrankungen wie das
Peutz-Jeghers-Syndrom und die Familiaere Juvenile Polyposis, die Basis
fuer erbliche Darmtumoren dar. Die Diagnose einer FAP kann bei einem
Patienten in der Regel schon aufgrund der klinischen Befunde gestellt
werden. Die Diagnose von HNPCC ist dagegen schwieriger zu stellen, da
das Krankheitsbild nur durch eine Verbindung von ausfuehrlicher
Familienanamnese und Molekulargenetik erkannt werden kann.
Projekt-Nummer: 70-2989



Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.krebshilfe.de

 

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