Informationsdienst Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Deutsche Krebshilfe e. V., 01.12.2003

Impfung soll koerpereigene Abwehr verstaerken


Stipendiat untersucht Immunreaktion gegen Darmkrebs-Antigen

Hamburg/New York (nh) - Fuer die Heilung von Krebspatienten reichen Operation, Bestrahlung und Chemotherapie oftmals nicht aus. Die gezielte Stimulation der koerpereigenen Abwehr durch eine Impfung stellt ein ergaenzendes Therapie-Konzept dar, auf das die Forscher grosse Hoffnung setzen. "Derzeit untersuchen wir, ob die koerpereigene Abwehr Darmkrebszellen anhand bestimmter Oberflaechenmerkmale als "fremd" erkennt und dagegen eine Immunreaktion ausbildet", sagt Dr. Djordje Atanackovic vom Universitaetsklinikum Hamburg-Eppendorf. "Unser Ziel ist es, die Immunantwort gegen Darmkrebs durch eine Impfung zu verstaerken", so der ehemalige Stipendiaten der Dr. Mildred Scheel Stiftung.

Tagaus, tagein erkennt und vernichtet das menschliche Immunsystem Millionen von Bakterien, Viren und Parasiten. Hauptakteure sind die weissen Blutkoerperchen: Diese Abwehrzellen erkennen fremde Eiweissstoffe, die als Antigene bezeichnet werden. Sie loesen ein komplexes Zusammenspiel von Molekuelen und Botenstoffen aus und setzen so den "Fremdling" ausser Gefecht. Auch Krebszellen tragen auf ihrer Oberflaeche Antigene, die von den Abwehrzellen als "fremd" erkannt werden. Die dadurch ausgeloeste Immunreaktion ist jedoch meist zu schwach, um die boesartigen Zellen vollstaendig zu zerstoeren.

"Die koerpereigene Immunantwort gegen Tumorzellen zu verstaerken, ist das Ziel einer Krebsimpfung", erklaert Dr. Atanackovic, Leiter des Labors fuer Tumorimmunologie am Universitaetsklinikum Hamburg-Eppendorf, eine Strategie zur Krebsbekaempfung. Dabei wird eine unschaedliche Menge des Antigens geimpft, das auf den Krebszellen vorkommt. Dadurch sollen sich insbesondere die gegen den Tumor gerichteten Immunzellen vermehren und so die Abwehrchancen erhoehen. "Um eine spezifische Immunantwort verstaerken zu koennen, ist es wichtig, dass die Abwehrzellen das Tumor-Antigen bereits vor der Impfung erkennen und dagegen eine Abwehrreaktion ausbilden", erklaert der Stipendiat der Dr. Mildred Scheel Stiftung.

Im Rahmen seines Stipendien-Aufenthalts am New Yorker Ludwig Institut for Cancer Research ist es Dr. Atanackovic gelungen, bei Patienten die Bildung spezifischer Abwehrzellen gegen Tumor-Antigene vor einer Impfung hochsensitiv zu messen. "Dadurch koennen wir ermitteln, wie effektiv die Bildung koerpereigener Abwehrzellen gegen die untersuchten Tumor-Antigene ist und so diese Antigene bei spaeteren Impf-Therapien gezielter und effektiver einsetzen", so der Mediziner.

Derzeit untersucht der Hamburger Wissenschaftler in Kooperation mit dem New Yorker Institut, ob die koerpereigene Abwehr durch eine Antigen-Impfung bei Darmkrebs wirkungsvoll verstaerkt werden kann. "Das eingesetzte Antigen heisst NY-CO-58 und kommt in Tumoren fast aller Patienten mit Darmkrebs vor. Im gesunden Gewebe ist es dagegen kaum vorhanden", erklaert Dr. Atanackovic. "Damit erfuellt es eine wesentliche Bedingung, um als Tumor-Antigen bei Impfstrategien eingesetzt zu werden."

Bis diese Therapie-Option jedoch in der Praxis tatsaechlich angewendet wird, bedarf es noch weiterer Grundlagenforschung und klinischer Studien. Bislang ist noch kein einziger Tumor-Impfstoff als Medikament zu gelassen. "Um die Immuntherapie als Krebsbehandlung weiter
voranzutreiben und sie als vierte Saeule neben der Operation, Chemo- und Strahlentherapie zu etablieren, unterstuetzt die Deutsche Krebshilfe seit einigen Jahren zahlreiche Forschungsprojekte auf diesem Gebiet", erklaert Gerd Nettekoven, Geschaeftsfuehrer der Organisation.


Infokasten: Dr. Mildred Scheel Stiftung  fuer Krebsforschung
Die Dr. Mildred Scheel Stiftung wurde 1976 von der Deutschen Krebshilfe gegruendet. Das Ziel der Stiftung ist es, die Krebsforschung auf den Gebieten der Krebsentstehung, -erkennung und -therapie durch grundlagenorientierte und kliniknahe Forschungsprojekte zu foerdern. Sie hilft, die personelle und sachliche  Ausstattung in der Krebsforschung zu verbessern und unterstuetzt Aus- und Fortbildungsmassnahmen. Dabei vergibt die Stiftung Stipendien an
junge Nachwuchswissenschaftler, um ihnen einen Forschungsaufenthalt im  Ausland zu ermoeglichen. Seit 1977 hat sie bereits ueber 400 Stipendien vergeben.

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Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.krebshilfe.de


 

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