Ärzte Zeitung, 08.10.2003

"Das ist nicht in meinem Sinn, daß ich herumliege und nichts tue"

Die ARD portraitiert heute einen Gelähmten, der "mit dem Willen Wunder schafft"

KÖLN (csc). Aufgeben kommt für den gelähmten Tom Schweiger nicht in Frage. "Ich könnte den ganzen Tag vorm Fernseher liegen. Aber das ist nicht in meinem Sinn, daß ich herumliege und nichts tue", sagt er lächelnd. Stattdessen trainiert der 27jährige täglich, um Kreislauf, Muskulatur und Gelenke zu kräftigen.

In der Dokumentation "Mit dem Willen Wunder schaffen" erzählt der 27jährige Tom Schweiger von seinem Kampf gegen die Lähmung. Foto: WDR

Schweiger hofft, sich durch eine neue medizinische Technik selbständiger bewegen zu können. Seit einem Badeunfall vor vier Jahren sitzt er im Rollstuhl. Außer dem Kopf, der linken Schulter und dem linken Arm kann er nichts bewegen.

Mit seinem eisernen Willen gelingt ihm schließlich, was - wie jetzt in einem Film über ihn behauptet wird - kein Gelähmter je zuvor erreicht hat: Wenn er sich stark konzentriert, kann er durch die Kombination von Gedankensteuerung und Elektrostimulation mit seiner gelähmten Hand einen Gegenstand greifen.

Über mehrere Monate hat ein Team des Westdeutschen Rundfunks Schweiger begleitet und die Beobachtungen in dem Film "Mit dem Willen Wunder schaffen - Toms Kampf gegen die Lähmung" (heute um 23.30 Uhr im Ersten) zusammengetragen. Der Film schildert die wie ein Wunder wirkende Entwicklung sachlich und ruhig, ganz ohne Sensationsheischerei.

Im Fokus des Films steht der Lebensmut des jungen Mannes, ohne den die neue Technik vielleicht nicht den Erfolg gehabt hätte. Schweiger steckt sich überschaubare Ziele. "Als nächsten Schritt vielleicht die Greiffunktionen für alltägliche Sachen, daß man sich die Zähne putzen kann, daß man ein bißchen unabhängiger ist", sagt er.

In vielen Situationen erfährt der Zuschauer, wie Schweiger mit Hilfe ausgeklügelter Hilfsmittel und der Unterstützung seiner Eltern den Alltag meistert. Was auf den ersten Blick einfach aussieht, hat ihn intensives Üben gekostet. Mit einer mundgesteuerten Tastatur kann er einen Computer bedienen. Das ermöglichte ihm, sein Abitur nachzuholen. Inzwischen studiert er Geographie.

Das Bild, das die Autorin des Films von dem Gelähmten zeichnet, macht Mut. Er habe sich nie selbst bemitleidet, finden Familie und Freunde. "Tom macht aus jeder Lebenssituation das Beste", sagt der Bruder, der allerdings auch Toms dunkle Stunden kennt.

Vor dem Unfall hat Tom Schweiger Saxophon gespielt und ist durch die Musik viel in der Welt herumgekommen. Seine große Lust am Reisen will er sich durch die Behinderung nicht nehmen lassen. Als nächstes will er mit seiner Freundin für acht Wochen nach Australien.

Nach viel Übung kann er seit zwei Jahren ohne große fremde Hilfe alleine essen, was sowohl ihn als auch seine Eltern entlastet. Mit der neuen Möglichkeit, seine gelähmte Hand selbständig zu bewegen, ist er dem Ziel größerer Unabhängigkeit ein Stück näher gekommen.

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