Informationsdienst Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Bayerische Julius-Maximilians-Universitaet Wuerzburg, 12.03.2003

Gallenblasenkrebs: Besser mehr als zuwenig Leber entfernen

Gallenblasenkrebs greift im fortgeschrittenen Stadium haeufig auf die Leber ueber. Die schlechte Ueberlebenschance der Patienten laesst sich offenbar deutlich verbessern, wenn bei der chirurgischen Entfernung des Tumors mehr und gezielter Lebergewebe mit herausgeschnitten wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine klinische Langzeitstudie, mit der sich der Medizinstudent Ulrich Fetzner von der Uni Wuerzburg im Rahmen seiner Doktorarbeit befasst.


Der Krebs der Gallenblase ist der fuenfthaeufigste Tumor des Verdauungstraktes und betrifft haeufig Frauen im hoeheren Lebensalter. Die Prognose ist meist sehr schlecht, da lange Zeit keinerlei Beschwerden auftreten. Daher wird die Erkrankung in der Regel erst in sehr weit fortgeschrittenen Stadien entdeckt.

Der Tumor breitet sich ruecksichtslos in die Umgebung aus, greift etwa auf die benachbarte Leber und die angrenzenden Lymphknoten ueber. "Der dann notwendigen chirurgischen Entfernung stehen vor allem europaeische Mediziner sehr pessimistisch gegenueber", sagt Fetzner. Grund dazu gibt es, denn im Durchschnitt erleben nur sechs bis zehn von 100 Patienten mit einem fortgeschrittenen Tumor das fuenfte Jahr nach der Diagnosestellung, wie aus Studien bekannt ist. Um das zu aendern, gibt es laut Fetzner nur zwei Chancen: Die Verbesserung der Frueherkennung und der chirurgischen Therapie. Doch was das Ausmass und die Art der Entfernung von Lebergewebe betrifft, haetten die Fachleute sehr unterschiedliche Ansichten.

Im Rahmen seiner Doktorarbeit, die er unter der Betreuung von Prof. Dr. Karl-Joseph Paquet an der Uni Bonn durchfuehrt, hat Fetzner gezeigt: Mit einer konsequenten Operationsstrategie, bei der auf die adaequate und unter Umstaenden ausgedehnte Entfernung von Lebergewebe geachtet wird, konnte eine Fuenfjahres-Ueberlebensrate von 55 Prozent erzielt werden.
"Allerdings scheint nur ein Teil der Patienten von dieser Operationsart zu profitieren, naemlich diejenigen, bei denen sich der Tumor ausschliesslich in das Leberbett ausgebreitet hat - was aber sehr haeufig der Fall ist." Ausserdem habe sich gezeigt, dass das Operationsrisiko, also die Erkrankungs- und Sterbewahrscheinlichkeit waehrend und kurz nach dem Eingriff, weitaus geringer ist als angenommen.

"Erstaunlich sind diese Ergebnisse eigentlich nicht", wie Fetzner sagt. Erst kuerzlich sei entdeckt worden, dass, lange bevor der Krebs fuer das Auge des Operateurs sichtbar in spezielle Bereiche der Leber einbricht, dort bereits so genannte "okkulte Mikrometastasen" auftreten koennen. Entfernt der Operateur nur die Gallenblase oder ist er beim
Herausschneiden von Lebergewebe zu sparsam oder nicht an den Lokalisationen der Metastasen orientiert, so verbleiben diese im Koerper. Sie koennen dann Ausgangspunkt fuer das erneute Auftreten der Erkrankung sein; die Patienten sterben binnen weniger Monate.

Nach Ansicht von Fetzner und Paquet liegt es unter anderem an der Missachtung dieser Erkenntnis, dass heute zu viele Patienten mit fortgeschrittenem Gallenblasenkrebs der Chance einer Heilung beraubt werden. Prof. Paquet, der international als Experte der Gefaess-,
Pfortader- und Leberchirurgie gilt, entstammt der Bonner chirurgischen Universitaetsklinik, wo er 1969 an der ersten Lebertransplantation in Deutschland beteiligt war. Er ist seit langer Zeit Befuerworter eines radikaleren chirurgischen Vorgehens beim Gallenblasenkrebs. Gleichartige
Impulse kommen seit kurzem vorwiegend aus Japan.

Fetzner hat die Ergebnisse seiner Doktorarbeit auf einem internationalen Kongress in Hamburg vorgestellt und im Deutschen Aerzteblatt unter dem Titel "Ausgedehnte Leberresektion von Vorteil?" publiziert, Jahrgang 99, Heft 4, Seiten 209 - 210.

Weitere Informationen: Ulrich Fetzner, Telefon (0971) 99719, Fax (0971)
785 27 20, E-Mail:
ulrich.fetzner@gmx.de




 

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